• Hitman: Absolution - Test

    LogoUngefähr 6 Jahre ist es her, als wir zuletzt Agent 47 in Hitman: Blood Money auf der PS2 durch die Gänge schleichen lassen durften.

    Jetzt hatten Kriminelle und Kidnapper genügend Zeit um sich von unvorhergesehenen Unfällen, Distanzkopfschüssen und dem glatzköpfigen Auftragskiller, der sich gerne die Wäsche von Toten aneignet, zu erholen. Am 20.11.2012 erscheint mit Hitman: Absolution der 5. Ableger der Serie auf PC, XBOX und PS3. Wir konnten das Spiel dank Square Enix bereits über das Wochenende ausgiebig testen.

    Ob Agent 47 eingerostet ist oder ob er sich verbessert hat erfahrt ihr in diesem Test.


    Story
    Nachdem Agent 47 am Ende des vierten Teils untergetaucht war, ist dieser mittlerweile wieder aufgetaucht und erhält zum Warmwerden von der ICA den Auftrag Diana Burnwood zu töten. Diese soll an dem Verrat beteiligt gewesen sein, der mehrere Mitglieder der Agency aufliegen lassen hat. Das kleine Mädchen Victoria, welches sich in ihrer Obhut befindet, sollen wir in gewahrsam nehmen und an die ICA ausliefern. Nicht zu unrecht für unsere Kaltblütigkeit bekannt, erschießen wir Diana, die uns während ihres Ablebens bittet, Victoria nicht auszuliefern. Hier beginnt schon eine Neuerung der Reihe. Denn wir lassen uns auf die Bitte ein und nehmen das Mädchen ála Léon der Profi unter unsere Fittiche. Mit gewecktem Interesse für das "Warum" und unserem neuen "Mitleidsskill", fangen wir eine Geschichte auf eigener Faust an. Wir entfernen per Messer sogar unser Markenzeichen und laufen fortan mit einem Pflaster am Hinterkopf herum.

    Mit plötzlichen Unfällen in Chinatown bezahlen wir Birdy, der uns im Gegenzug mit Insiderinformationen versorgt. So planen wir unsere nächsten Schritte und finden heraus, dass auch Wade Dexter, ein Waffenhändler mit genetisch modifizierten Riesenmexikanerbodyguard Namens Sanchez, hinter Victoria her ist. Warum Victoria derart begehrt ist, muss jeder in der 15 - 20 Stunden wendungsreichen Kampagne selbst herausfinden.

    Die interessante Story wird in brillanten und in teils schön verstörenden Cutscenes vorangetrieben. Mal sind es vertonte Dialoge, mal sind es effektvolle Szeneschnipsel. Die authentisch vertonten Dialoge (wir haben doch noch gute Synchronsprecher) gehören hier eindeutig zum besseren Teil, denn nach den Szeneschnipseln und Rückblendenzusammenschnitten musste ich mich des Öfteren fragen, ob das Gesehene überhaupt verstanden wurde. Hier hilft dann meist mein Laptop der mich mit Missionsdetails versorgt.

    Mein persönlicher Favorit sind die Charaktere, die bis auf einige Ausnahmen in einem Tarantino Film unterkommen könnten. Alle sind gut ausgearbeitet und so prägnant das diese in Erinnerung geblieben sind. Vor allem Birdy, mit der von Vogelkot übersähten Lederjacke. Das Spiel hätte gerne mit mehr Randinformationen zu den Nebencharakteren aufwarten können.


    Gameplay - Grundlagen

    Hitman steht ganz klar für das unauffällige Ausschalten von einer oder mehreren Zielpersonen. Das funktioniert in diesem Teil überwältigend gut. Viele Spiele in diesem Genre zwingen einem innerhalb der Level meist ihre eigene Vorstellung auf, aber nicht Hitman: Absolution. In Hitman dürfen wir uns selbst Gedanken machen und haben einen großen Freiraum für unterschiedlichste Strategien, einen Auftrag zu erfüllen. Der Entwickler schreibt "Es gibt kein Schwarz oder Weiß, es gibt eine Grauzone in der man selbst entscheiden kann" - und das stimmt! Ich kann meine Spielweisen mischen, dynamisch auf die Situationen reagieren und hatte nie den Gedanken "Ach ja, der Weg hier ist also was für Spieler, die rumballern möchten“.


    Gameplay

    Aber zurück zum Wesentlichen. Unsere physischen Aktionen sind rudimentär. Wir können laufen, gehen, rennen, schleichen, klettern und in Deckung gehen. Springen fällt allerdings aus. Dadurch müssen hin und wieder Hindernisse umlaufen, statt übersprungen werden. Agent 47 steuert sich angenehm präzise und bleibt an keinen Kleinigkeiten hängen. Das Zielen und Schießen fühlt sich solide an und leistet beim gezielten Ausschalten saubere Arbeit. Das Scharfschützengewehr lässt uns während des Zielens die Luft anhalten und gewährt dadurch einen sicheren Treffer. Gab es alles schon, aber oft nicht so gut umgesetzt.
    Was es so noch nicht gab, ist das neue Instinktsystem. Instinkt zeigt uns auf Knopfdruck wichtige Gegenstände, potenzielle Unfallsituationen und den eingeschlagenen Laufweg des Gegners - auch durch Wände. Die Energie wird von uns durch lautloses Töten und für das Erreichen von Missionszielen gefüllt. Eingesetzt lässt sie uns ein Spezialmanöver ausführen, welches das Spiel pausiert, wir Hitmarker auf die Gegner setzen können (Trefferzonen markieren) und dann in schneller Abfolge alle Schüsse abgeben (ähnlich wie in Red Dead Redemption). Sind wir verkleidet und jemand droht uns zu enttarnen, können wir die Energie dafür einsetzen, um mit der Umgebung zu „verschmelzen“. Für meine Spielweise war das Instinktsystem korrekt platziert - wie oft ich noch etwas Energie gebraucht hätte um nicht enttarnt zu werden. Wer dem Ganzen kritisch gegenüber steht, kann sich auf der Schwierigkeitsstufe „Purist“ nur mit einem Fadenkreuz versuchen.


    Gameplay - Mission

    Das Missionsdesign ist vorbildlich. Auch wenn Agent 47 grundsätzlich immer damit beschäftigt ist, gescheit an Gegnern vorbei zu schleichen oder in ein Gebäude einzudringen, kommt kein Gefühl der Eintönigkeit auf. Die Schauplätze der Missionen sind atemberaubend abwechslungsreich. Ich habe während des Tests eine Liste angefertigt, die den Rahmen sprengen würde. Ein überfüllter Marktplatz in Chinatown, eine alte Bibliothek, ein Kifferapartment mit Hanfplantage, ein Stripclub, ein Vorort mit begehbaren Wohnungen. Das war nur ein Auszug!

    Doch wie spielt sich eine Mission? Wir sollen einen ansässigen Obermotz namens "King" eliminieren. Einziges Problem: Er befindet sich in einem offenem Pavillon mitten auf einem überfüllten Marktplatz in Chinatown. Schieße ich ihm einfach aus nächster Nähe in den Kopf, machen die Polizisten auf dem Marktplatz mit mir das Gleiche. Aber es gibt ja immerhin zwölf Alternativen, diesen Auftrag auszuführen. Es ist sinnvoll sich umzuschauen. Mir fällt eine kleine Gasse mit einem Drogenversteck auf. Kann ich noch nichts mit anfangen. Ich sehe einen Kran mit einem gefährlich schwankenden Gewicht. Ob der King da wohl entlang geht? Der Marktstand verkauft giftigen Fugu-Fisch - auch interessant. Ich finde eine Gasse. Der bewachende Polizist sitzt vor dem Fernseher - da will ich hinein. Ich sabotiere den Stromkasten in der Nähe. Der Polizist verlässt den Posten und ich schleiche vorsichtig vorbei, hinauf in ein Apartment. Ab hier ändert sich mein Status in "Eindringen". Habe ich keine passende Verkleidung, erwecke ich Aufmerksamkeit. In dem Zimmer ist ein Drogendealer - Pech für ihn. Ich könnte den jungen Mann aus dem Fenster stoßen, doch würde seine Leiche auf dem Marktplatz für Aufsehen sorgen. KLAVIERSEITE! Ich nehme seine Klamotten, verstecke den Körper im Schrank und finde ein Scharfschützengewehr. Auf dem Tisch liegen Drogen. Vielleicht kann ich diese ja vergiften und der King nascht davon? Ich entscheide mich für das Gewehr und stelle mich vor das Fenster. Visiere den King an, halte den Atem an, drücke ab - Kopfschuss. Die Leute stürmen vom Markt und die Polizisten stürmen in die Wohnung. Schieße ich mich frei? Es hat mich ja niemand gesehen. Meine Tarnung ist noch aktiv. Erstmal warte ich im Schrank bis die Luft wieder rein ist und gehe dann ruhig in meiner Verkleidung zum Ausgang. Mission abgeschlossen.



    Ab hier arbeitet der Perfektionist in einem - ist man mit dem Ergebnis zufrieden? Nein! Wir starten den Level neu, holen giftigen Fugu-Fisch vom Markt, "strecken" die Drogen, beobachten den King und tatsächlich - er möchte beim Dealer in der Wohnung etwas probieren. Wir positionieren uns schon mal am Ausgang, denn ab hier läuft die Mission sicher auf das Ende zu. Wir ernten durch diese subtile Vorgehensweise viele Punkte. Punkte gibt es für das Erreichen von Zielen und werden abgezogen, wenn man z. B. Zivilisten tötet oder entdeckt wird. Mit den Punkten schaltet man automatisch Perks frei. So stecken wir mehr Treffer ein oder laufen schneller.

    Haben wir dennoch mehr Treffer eingesteckt als gut war, können wir entweder den Level neu starten oder von einem im Level befindlichen Kontrollpunkt neu starten. Diese Kontrollpunkte (sofern vorhanden) können nur einmal benutzt werden und ersetzen das freie Speichern des Vorgängers. Startet man aber von diesem Kontrollpunkt aus, und das ist schade, sind alle Gegner wieder im Spiel die vorher evtl. schon ausgeschaltet worden sind. Zielpersonen gehören zum Glück nicht dazu.


    Grafik & Sound

    Wer des Öfteren Level neu laden muss, stellt fest, dass die Ladezeiten lächerlich kurz sind. Generell ist das Spiel sehr sauber programmiert. Es gibt keine Ruckler, kein Tearing, kein Flimmern und das bei wunderschönen Licht- und Schatteneffekten. Wenn man die kleinen hakeligen Momente in den Zwischensequenzen unbeachtet lässt, muss man den Entwicklern ein sehr gutes Verständnis für das Benutzen dieser Engine zusprechen. Die Außenlevel zur Mittagszeit sind farbenkräftig, in der Kanalisation gibt es klasse Schatten und auch wenn die generische Bevölkerung ins Spiel kommt gibt es keine Framerate Einbußen (es sind echt viele Zivilisten). Klar, Letzteres wird umgesetzt indem der Level an sich trister ist. Aber lieber ein flüssiges Spiel als prächtige Einzelbilder. Ich kann mich außerdem nicht erinnern, wann ich zuletzt so detailliert aufgebaute Level gesehen habe. Der Perlenvorhang, der übrigens auch auf unseren Körper physikalisch reagiert, wird aber etwas oft eingesetzt - jammern auf hohem Niveau.


    Grafik

    Der Sound in seiner Qualität ist passabel. Die Waffensounds hätten satter sein können, mein Subwoover hätte bei Explosionen gerne mehr rumgedröhnt und es gibt vereinzelte Soundaussetzer. Bei der Synchronisation in den Cutscenes ist es teilweise überraschend, was für Patzer vorkommen. So zählt jemand mit den Fingern von 5 runter aber ist bei 4 schon beim 2. Finger. Der Sound punktet aber ausgezeichnet in seinem Inhalt. Es wurden so viele verschiedene Dialoge aufgenommen, dass ich oft stehen geblieben bin um mir anzuhören warum Gegner A sich darüber aufregt das Gegner B ständig high ist. Oder die Verteidigung vor Gericht eines jungen Mannes, warum er alle Gartenzwerge zerstören soll. Wer mag kann in den Optionen zwischen deutsch, englisch und italienisch wählen (jeweils für Sprache und für Text).


    Multiplayer
    Wer einen gültigen Online Pass hat, darf sich Online im Multiplayer probieren. Hier geht es nicht darum andere Auftragskiller mit der Klavierseite zu bearbeiten, sondern sich mit ihnen zu messen. Das funktioniert recht simpel. Wir wählen einen Level, sowie Schwierigkeitsgrad aus und müssen ihn zuerst selbst spielen. Alle Gegner aus dem Level sind darin enthalten. Nun haben wir die Möglichkeit einen Gegner zu markieren und ihn dann zu töten. Entscheidend hierbei ist die Mordwaffe, die zu dem Zeitpunkt getragene Kleidung und ob ich z. B. die Leiche verstecke. Diese Konditionen werden gespeichert. Ich kann noch zwei weitere Ziele auswählen oder einen Ausgang wählen. Auch dieser wird gespeichert. Wenn ich jetzt den Level hochlade können andere Spieler darauf zugreifen und müssen die gleichen Ziele erfüllen wie ich. Wenn die gleiche Waffe oder die gleiche Tarnung benutzt wird gibt es mehr Geld. Anschließend muss der gleiche Ausgang benutzt werden den ich gewählt habe. Das Geld aus den Aufträgen kann ich in neue Waffen oder Klamotten investieren, die ich vor Start der Mission wählen kann.

    Diese Methode hat einen riesigen Vorteil - die Level sind lösbar. Dadurch, dass ich ihn beim Erstellen schaffen musste, können es auch andere schaffen. Ein Nachteil ist, dass wir uns im Prinzip immer in den gleichen Leveln bewegen und so die kreativen Möglichkeiten eingeschränkt sind. Hier hätte ich zumindest Parameter für grundsätzliche Einstellungen erwartet.

    An sich ist der Modus aber eine nette Draufgabe um sich mit seinen Freunden zu messen, wer der Beste ist. Auch ganze Wettbewerbe können erstellt werden - es soll auch öffentliche Wettbewerbe geben.


    Fazit
    Die vielen unterschiedlichen Orte, die vielen unterschiedlichen Todesursachen, die vielen unterschiedlichen Vorgehensweisen, die Dynamik und die Atmosphäre haben mich in ihren mörderischen Bann gezogen und werden mich so schnell nicht los lassen. Erst wenn ich in jedem Level die perfekte Strategie und alle Todesursachen gesehen habe, kann ich dieses Spiel wieder zur Seite legen. Jeder der nur eine kleine Vorliebe für Stealthaction hat, hat hier eine klare Kaufpflicht und jeder der Actionspielen ohnehin nicht abgeneigt ist sollte sich dieses Spiel unbedingt angucken.
    Kommentare 3 Kommentare
    1. Avatar von developr
      developr -
      Ich liebe das Spiel. Ich hatte damals alle Teile auf PC gespielt und hatte wirklich hohe Erwartungen an die Entwickler. Doch ich bin begeistert! Ein Stealth-Action-Game genau nach meinem Geschmack. Ich bin gerade in Kapitel 2 angekommen und habe ca. 4 Stunden damit verbracht, alle Möglichkeiten auszuprobieren, den Auftrag erfolgreich zu beenden. Wenn ich mich nicht irre, dann soll das Spiel um die 20 Kapitel haben... da werden diese Woche sicher einige Stunden zusammenkommen!
    1. Avatar von CommanderxRick
      CommanderxRick -
      Genial !

    1. Avatar von Eisenbrenner
      Eisenbrenner -
      Hallo,
      ich bin zur Zeit auch in diesem Spiel involviert und es macht richtig Spass!
      MfG
      Eisenbrenner
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